Sonntag, 16. Juni 2013

Erasmus und Fremdplatzvergabe

Erasmus Allgemein

Das Erasmus-Programm wurde 1987 ins Leben gerufen und ermöglicht Studenten aus 33 europäischen Ländern, im europäischen Ausland für 3 bis 12 Monate zu studieren oder zu arbeiten. Teilnehmende Universitäten haben Verträge mit anderen Universitäten um einen Austausch für Studenten zu ermöglichen. Dabei hat jedes Institut seine eigenen Verträge, in denen geregelt ist, wie viele Austauschstudenten pro Semester oder Jahr kommen dürfen. Als Erasmus-Student hat man viele Vorzüge. Man erhält eine kleine Unterstützung von mindestens 100 Euro im Monat. Außerdem muss man an der ausländischen Hochschule keine Studiengebühren bezahlen. Der größte Vorteil ist allerdings der, dass die im Ausland erworbenen Leistungen (ECTS, etc.) an der Heimatuniversität anerkannt werden. Die Nationale Agentur für Erasmus in Deutschland ist der DAAD, über den ich bereits im letzten Post geschrieben hatte.

Erasmus-Europäische Kommission

Erasmus-Studentencharta



Fremdplatz, wie funktioniert das?

Schon als ich mich das erste mal über verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten informiert hatte, hatte ich mir Gedanken über Fremdplätze gemacht, da mein Institut keine Verträge mit einer skandinavischen Hochschule hat. Also habe ich über die Seite des International Office meiner Uni eine pdf-Datei gefunden, in der alle Institute verzeichnet sind, die Erasmus Plätze haben. Sie informierte mich, dass drei Institute Plätze an der Uni in Lund hatten. Die Theologie, Physik und die Wirtschaftswissenschaften (die sogar drei Plätze hatte). Außerdem waren auf der Liste die Namen der Fachkoordinatoren verzeichnet. So konnte ich den entsprechenden Personen eine E-Mail schreiben. Alle antworteten mir und sagten, dass ich noch etwas zu früh wäre (im Oktober 2012). Zu dem Zeitpunkt wurden die Instituts-Internen Bewerbungen angenommen. Erst im Januar sollte ich mich wieder melden, da erst dann Informationen vorliegen, ob ein Platz noch zu haben sei. Die Theologie hatte eine Warteliste, auf der sie mich direkt eingetragen haben. Da ich in der Zwischenzeit eine Zusage zum Auswahlgespräch des DAAD erhalten hatte, meldete ich mich nicht mehr bei den Instituten wegen der Fremdplatzvergabe. Nach meiner Absage vom DAAD bekam ich, lustigerweise, eine Mail von der Theologie, ob ich denn noch an einem Erasmus-Austausch interessiert sei. Was ich natürlich jetzt erst recht wieder war. Da bei der Theologie keine Hauptfächler und Nebenfächler den Platz wollten bekam ich das Angebot. Die Besonderheit an einem Fremdplatz ist der, dass die Garantie, dass meine im Ausland erbrachten Leistungen hier anerkannt werden, nicht direkt gilt. Ich würde ja über einen Theologie-Platz im Ausland Archäologie studieren. Daher musste ich die Fachkoordinatoren an der Uni in Lund anschreiben und fragen, ob sie bereit wären mir diesen Platz ebenfalls zu überlassen und mich dann auch zu 'betreuen', obwohl ich Archäologie studieren würde. Mein Glück ist es, dass die Theologie und die Archäologie in Lund zu einer Fakultät gehören, und alle Erasmus-Studenten fakultätsinterne Kurse belegen dürfen. Schwierig ist es nur Kurse fakultätsexterne Kurse zu belegen. Was nicht heißt, dass es unmöglich ist. Ich habe bereits davon gehört, kann aber nichts genaueres dazu sagen, da ich diese Erfahrung nicht gemacht habe.

Tausendundein Formular - oder das Unterschriftensammeln

Wenn man dann einen der begehrten Plätze bekommen hat, beginnt das Unterschriftensammeln. Ich habe von der Fachkoordinatorin in Freiburg einige Formulare bekommen. Ein paar davon musste ich sofort ausfüllen, damit diese so schnell wie möglich nach Lund geschickt werden konnten. Als 'Fremdplätzler' war ich schon recht spät für die normale Anmeldung. Ich wurde zwar noch vor Bewerbungsschluss nominiert, trotzdem war es recht knapp. Als dann alle Papiere in Lund waren, bekam ich einen Link über den ich mich für die verschiedenen Kurse bewerben konnte. Diese Bewerbung verläuft anders ab als die über die zentrale Bewerbung (antagning.se), die man machen muss, wenn man nicht über ein Austauschprogramm nach Schweden will. Dieses Onlineformular musste ich dann Ausdrucken und dann von der Fachkoordinatorin unterschreiben lassen. Zusammen mit Zeugnissen, etc. habe ich dann die Unterlagen nach Lund geschickt. Das konnte ich zum Glück (wegen des Bewerbungsschlusses) über das Internet machen. Vor ein paar Tagen, habe ich dann einen Brief aus Lund bekommen, der meine Zulassung zur Uni enthielt. Dieser Brief ist beispielsweise für eine Beantragung auf Urlaubssemester von der Heimat-Uni wichtig, aber vor allem auch für den ersten Tag an der Uni in Lund, den Arrival Day für alle Internationalen Studenten. Ebenfalls habe ich vor ein paar Tagen von der Fachkoordinatorin in Lund eine Mail bekommen, in der meine Kurse standen, zu denen ich zugelassen wurde.
Der Papierkram ist aber noch nicht zu Ende. Ich habe ein Learning-Agreement bekommen, in dem ich Kurse eintragen soll die ich belegen möchte. Dazu muss man die ECTS-Punkte schreiben, die man für die Kurse bekommen kann. (Achtung! Als Erasmus-Student studiert man Vollzeit und muss daher pro Semester ca. 30 ECTS erreichen) Dieser Vertrag muss von mir und den Fachkoordinatoren der Heimat-Uni und der ausländischen Uni unterschrieben werden. Wenn man im Ausland doch andere Kurse belegt hat, muss man ein anderes Formular ausfüllen, dass ich ebenfalls erhalten hab. Außerdem muss ich mir nach dem ersten Semester, zur Einschreibung vom zweiten Semester, die Studienzeit bestätigen lassen, und dies dann zur Heimat-Uni schicken, damit man mir dort das Geld geben kann. Bei Erasmus bekommt man das Geld übrigens nicht monatlich ausgezahlt. Man bekommt das erste Geld nach dem ersten Semester, wenn man das oben genannte Formular geschickt hat. Und den Rest, wenn man im Prinzip wieder zurück an der Heimat-Uni ist. So eine Arte nachträgliche Unterstützung.

Erasmus, eine gute Entscheidung?

Für mich ist das Erasmus-Programm im Moment absolut eine gute Entscheidung gewesen, da ich dadurch einige Vorteile habe. Für mich zählt vor allem, dass mir die Leistungen angerechnet werden können (ich hatte auch mit meinen Dozenten gesprochen). Ob es wirklich eine gute Entscheidung war, kann ich erst nächstes Jahr um diese Zeit sagen, wenn mein zweites Semester in Schweden vorüber gegangen sein wird.


Im nächsten Post, werde ich über ein paar andere Finanzierungsmöglichkeiten sprechen über die ich mich selber informiert habe oder sogar in Anspruch nehme. Bis dahin!

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